Drucken Versenden
Demonstation für die Zuckerfabrik

Große Solidarität mit Belegschaft und Landwirten

Bild anzeigen

Großer Andrang bei der Kundgebung.

© Foto: Sürder
Bild anzeigen

Mehrere Hundert Zuhörer kamen, um der Präsentation von Südzucker-Vorstand Thomas Kirchberg zu folgen.

© Foto: Sürder

Warburg (js) - Der kleine Ortsteil Hohenwepel am Dienstag Abend: 200 Trecker parken an den Straßen, vor der Gemeindehalle sammeln sich mehrere hundert Demonstranten, viele von ihnen in gelben Westen. Die Winterversammlung des Verbandes der Zuckerrübenanbauer Kassel stößt sonst nicht auf solche Resonanz. Anlass für die Demonstration ist die geplante Schließung der Warburger Zuckerfabrik, die nicht nur die Mitarbeiter treffen würde, sondern auch die Landwirte, die die Zuckerrüben in der Region anbauen. Dr. Thomas Kirchberg, Vorstandsmitglied der Südzucker AG, war angereist, um den Bauern Rede und Antwort zu stehen. Kirchberg ging zunächst auf die Lage im Unternehmen ein und erläuterte, weshalb die Sparte Zucker ein Verlustgeschäft ist. Mit einem Verlust von 150 bis 250 Mio. Euro rechnet das Unternehmen hier. Dies könne nicht durch die anderen Sparten im Konzern ausgeglichen werden. Schuld seien mehrere Faktoren: der Weltmarkt, Wettbewerbsnachteile in der EU und auch eine veränderte, bewusstere Ernährung der Menschen, die Zucker verteufele, wie Kirchberg sagte. Das Unternehmen wolle die Produktion um 700.000 Tonnen Zucker jährlich senken und 100 Mio. Euro einsparen. Deswegen müssten Werke schließen. Die Werke in Warburg und im brandenburgischen Brottewitz seien nur ein Anfang. Der Standort in der Hansestadt sei der, der die geringsten Zukunftsaussichten habe, sagte Kirchberg, betonte aber, das sei auf keine schlechte Leistung der Belegschaft zurückzuführen. „Es geht im die Gesamtsituation im Unternehmen“, sagte er. Der Aufsichtsrat wird die Vorschläge am 25. Februar diskutieren und abschließend entscheiden. Die anwesenden Landwirte konfrontierten Kirchberg mit ihrer Situation. Zuckerrüben in das nächstgelegene Werk im hessischen Wabern zu transportieren, lohne sich nicht, da die Transportkosten nicht akzeptabel seien. Kirchberg sagte, man werde für die Bauern, die sich aus dem Anbau zurückziehen wollen, eine Lösung finden. Sie könnten ihr Lieferrecht schließlich auch zurückgeben. Kritisiert wurde von den Anwesenden, dass die Südzucker noch vor wenigen Jahren dazu aufgefordert habe, mehr anzubauen. Das nun die Fabrik schließen solle, mache keinen Sinn. Ein Redebeitrag griff den Vorstand des Unternehmens scharf an und meinte, das Versagen des Vorstands werde auf dem Rücken der Mitarbeiter und Landwirte ausgetragen. Konkrete Aussagen lieferte Kirchberg kaum. Die anwesenden Landwirte und Zuhörer wirkten zunehmend resigniert und frustriert.

Bild anzeigen

Dr. Thomas Kirchberg (l.) mit Antonius Tillmann, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbands Höxter.

© Foto: Sürder

Die vorangegangene Demonstration mit rund 500 Teilnehmern und den vielen Treckern hatte deutlich gemacht, wie stark das Thema der drohenden Schließung die Menschen bewegt. Bei einer Kundgebung sprach Landwirt und Vorsitzender der Bürgerinitiative „Lebenswertes Bördeland und Diemeltal“, Josef Jacobi. „Der ländliche Raum blutet aus.“ Molkereien, Kornhäuser und andere Betriebe werden geschlossen - ein falscher Weg, der verlassen werden müsse, wie Jacobi sagte. Er rief dazu auf, zusammenzustehen für den Erhalt der Zuckerfabrik und für ein lebenswertes Bördeland. Es sprach außerdem Christian Rose vom Betriebsrat der Zuckerfabrik. Die Nachricht über die geplante Schließung sei ein kompletter Schock gewesen. Er sagte, er hoffe noch auf ein Umschwenken. Bürgermeister Michael Stickeln zeigte sich beeindruckt von der Solidarität und Geschlossenheit, die sich bei der Demonstration zeige. Die Menschen seien das wertvollste, was die Region habe, und die Südzucker sicher noch merken, das sie solidarisch zusammenstehen, wenn es darauf ankomme. „So kann man mit uns, so kann man mit einer ganzen Region nicht umgehen“, sagte Stickeln und forderte dazu auf, im Protest nicht nachzulassen.

Vor der Entscheidung des Aufsichtsrates Ende Februar steht nun noch ein Gesprächstermin in der Konzernzentrale der Südzucker in Mannheim an. Bürgermeister Michael Stickeln, Landrat Friedhelm Spieker, MdL Matthias Goeken und MdB Christian Haase nehmen voraussichtlich daran teil. Derzeit werde ein genauer Termin abgestimmt.

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder