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Brachflächennutzung und Innenverdichtung

Hansestadt schafft Bauplätze und bekämpft Leerstand

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Bürgermeister Michael Stickeln und Dössels Ortsvorsteher Anton Güthoff.

© Foto: privat

 

Wenn Städte und Ortschaften wachsen, werden immer wieder neue Flächen beansprucht. Auf der anderen Seite nimmt aber der Bestand an Brachflächen im Innenbereich der Ortschaften zu. Diese Brachflächen stellen ein Flächenpotenzial dar, welches für neue Nutzungen hergerichtet werden kann. Denn aufgrund ihrer früheren Nutzung sind sie in der Regel infrastrukturell gut erschlossen. Die städtebauliche Strategie der Innenverdichtung und -entwicklung hat das Ziel, den zukünftigen Flächenbedarf möglichst weitgehend durch die Nutzung von innerörtlichen, bereits erschlossenen Flächen zu decken und so den weiteren Flächenbedarf im Außenbereich zu begrenzen. Die Hansestadt Warburg ist in diesem Bereich bereits sehr frühzeitig und vielfältig tätig geworden.

So ist bereits im Jahr 2011 eine landwirtschaftliche Hofstelle in zentraler Ortslage von Menne erworben und später abgerissen worden. Ziel war es, stattdessen eine Fläche für eine Wohn- oder Gewerbenutzung anbieten zu können. Heute hat sich dort ein KFZ-Reparatur- und Handelsbetrieb mit zusätzlichen Arbeitsplätzen angesiedelt. In Dössel wurden an der „Warburger Straße/Ringstraße“ zwei alte landwirtschaftliche Hofstellen sowie ein Wohngebäude, die leer standen und deren Verfall drohte, erworben und bereits abgerissen. Es können nunmehr an der Stelle drie Bauplätze mit dem Ziel einer Innenverdichtung möglichen Interessenten zum Kauf angeboten werden.

Aber auch private Investoren helfen der Stadt bei der gewünschten Innenverdichtung. So ist in der Bahnhofstraße ein altes Wohngebäude, dessen Verfallsspuren bereits deutlich sichtbar waren, durch einen Investor erworben und abgerissen worden. Hier sind insgesamt 29 neue Wohneinheiten errichtet worden. Die Hansestadt Warburg war hier vermittelnd tätig und hat auch den geltenden Bebauungsplan geändert, um die überbaubare Fläche den Bauabsichten des Investors und der gewünschten Innenverdichtung anzupassen.

Durch eine Änderung des Bebauungsplans am Stiepenwegfriedhof in der Kernstadt sind acht neue Bauplätze innerhalb der Kernstadt dadurch entstanden, dass im östlichen Randbereich des Friedhofs eine neue Baufläche ausgewiesen wurde, die durch 2 bereits vorhandene Straßen problemlos erschlossen werden konnte.

In der „Liebfrauentwete“ wird aktuell eine bereits seit Jahrzehnten bestehende Planung als Teilfläche eines bereits bestehenden größeren Wohngebietes verwirklicht, die in der Vergangenheit wegen Grunderwerbsproblemen scheiterte. Hier können im Sinne einer Innenverdichtung 8 Bauplätze erschlossen werden, welche ab Herbst 2020 zum Verkauf bereitstehen.

Durch Ergänzungssatzungen nach § 34 BauGB wurden bislang im Flächennutzungsplan als Flächen für die Landwirtschaft dargestellte Außenbereichsflächen in den im Zusammenhang bebauten Ortsteil Ossendorf einbezogen. Dadurch konnten an der Oststraße, der Langen Twete, dem Dunsterweg und dem Bereich „An den Bruchgärten“ insgesamt 22 zusätzliche Bauplätze erschlossen werden. Durch ihre Lage dienen sie der Innenentwicklung und stärken das Ortszentrum. Im Stadtteil Dössel konnten südlich des Finkenwegs gelegene Außenbereichsflächen durch eine Ergänzungssatzung nach § 34 BauGB einer Wohnbebauung zugeführt werden. Zwei von drei so zusätzlich geschaffenen Baugrundstücken sind bereits bebaut. Durch eine Bebauungsplanänderung konnte eine an der Gerhart-Hauptmann-Straße in der Kernstadt Warburg gelegene Grünfläche in eine Wohnbaufläche umgewandelt werden, um die Neuerrichtung von drei Wohnhäusern zu ermöglichen. Auch dieses Areal ist bereits durch vorhandene Straßen erschlossen. Mit dem Bau eines der Häuser wurde kürzlich begonnen. Im Stadtteil Wormeln sind im Bereich der Nordstraße durch eine Ergänzungsstraße nach § 34 BauGB drei neue attraktive Bauplätze entstanden.

In Hohenwepel ist eine Erschließungsstraße, die bislang als Baustraße bestand und noch nicht endgültig ausgebaut ist, nach erfolgreichem Grunderwerb mittels einer Innenbereichssatzung nach § 34 BauGB verlängert worden, sodass das Baugebiet am „Karl-Lippert-Weg“ und am „Waldweg“ um insgesamt neun zusätzliche Bauplätze erweitert werden konnte. Im Jahr 2016 wurde in der Kernstadt ein Gelände im direkten Umfeld des Heilpädagogischen Zentrums mit 12 Bauplätzen im Wege einer Innenbereichssatzung überplant und weitgehend in den letzten zwei Jahren veräußert und zwischenzeitlich bereits bebaut.

Es handelt sich somit in den o. a. Entwicklungsarealen um rd. 73 Bauplätze, die bereitgestellt werden konnten. Davon liegen 49 im Geltungsbereich einer Ergänzungssatzung mit einer Gesamtgröße von ca. 36.900 m². Dies entspricht im Schnitt einer Bauplatzgrüße von 800 m².

„Die Hansestadt Warburg sollte auch in Zukunft - dort, wo es möglich und sinnvoll ist – durch eine Vielzahl von Maßnahmen sowohl in der Kernstadt als auch in den Ortsteilen versuchen, Brachflächen wieder einer Nutzung zuzuführen und eine Innenverdichtung unter Nutzung bereits vorhandener Erschließungssituationen zu erreichen. Als unterstützende Instrumente können hierbei gezielt Änderungen bestehender Bebauungspläne oder Ergänzungssatzungen für den Innenbereich nach § 34 BauGB eingesetzt werden. Eine solche Vorgehensweise ist sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll und nachhaltig. Insbesondere die Ortskerne in den Ortsteilen können und sollten durch eine entsprechende Vorgehensweise nachhaltig belebt werden.“, so Bürgermeister Michael Stickeln.

Leerstandförderung:

In den letzten zehn Jahren wurden in den Stadtteilen der Hansestadt Warburg im Rahmen der Leerstandsförderung Zuwendungen in Höhe von über 500.000 Euro für 132 Gebäude ausgezahlt. Die durchschnittliche Förderung lag in den letzten fünf Jahren bei 40.000 Euro pro Jahr.
Neunzig Mal wurde insgesamt der Einzug eines Kindes bezuschusst. Überwiegend werden die erworbenen Gebäude saniert und wieder bewohnt (125 Anträge). Vereinzelt wird der Abbruch von abgängiger Bausubstanz gefördert (fünf Anträge).

Die Leerstandszahlen für die Stadtteile werden jährlich bei den Ortsvorstehern abgefragt. Die Erfassung für die Kernstadt wird durch ein externes Büro erstellt. „Die Leerstandsförderung der Hansestand Warburg kann man sicherlich als Erfolgsmodell bezeichnen.
Bei der Übergabe der jeweiligen Förderbescheide wird von den Zuwendungsempfängern immer wieder bestätigt, wie hilfreich jedwede finanzielle Unterstützung bei der Renovierung bzw. Sanierung zuvor leerstehender Bausubstanz ist. Auch dieses Geld ist im Sinne einer zukunftsfähigen Dorfentwicklung gut und nachhaltig investiert“, so Bürgermeister Michael Stickeln.

 

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