Drucken Versenden

Insektenparadies in Willebadessen

Willebadessen (wrs) - Schillernde Libellen ziehen ihre Kreise über den Teichen, Schmetterlinge wiegen sich im Wind, kleine Molche und Lurche huschen über die Steine.
„Unser Kurpark soll bunt und schön sein, ein Paradies für Familien mit Kindern“, sagte Hartmut Vößing, Leiter des städtischen Bauhofes. Nachdem die Fischteiche ausgebaggert und der Schlamm auf dem Rasen im Kurpark abgelagert wurde, kam Vößing die Idee. Der Schlamm sollte nicht wie vorgesehen abtransportiert, sondern vor Ort genutzt werden. Eine Blühwiese für Schmetterlinge und Versteckmöglichkeiten für Molche und Lurche sollen geschaffen werden. Mit diesem Vorschlag trat er bei Bürgermeister Hans Hermann Bluhm offene Türen ein. Vor Ort im Kurpark ließ sich Bürgermeister Bluhm die Ideen des gelernten Landschaftsgärtners erklären und stimmte begeistert zu. Schnell stand fest: Die Kosten für den Abtransport des Schlammes werden für die Neugestaltung der Rasenfläche genutzt. Die Bezirksregierung in Detmold, der Kreis Höxter, der Ortsbeirat und die Landschaftsstation Borgentreich zeigten sich begeistert von dieser Aufwertung des Kurparkes. Innerhalb kürzester Zeit rollen die Bagger an, um mit den Vorarbeiten zu beginnen. Der nördliche Teichrand wird wallartig erhöht. Durch Wurzeln, Steine und Totholz, die bis in den Teich ragen werden, sollen Versteckmöglichkeiten für Amphibien und Insekten geschaffen werden.

Mit Kalksteinen wird eine Sitzgelegenheit in der Blühwiese geschaffen. Dort kann der Blumenduft gerochen, das Summen der Bienen gehört und der Flug der Schmetterling beobachtet werden. Für Besucher werden Informationstafeln aufgestellt. Mit dem Schmetterlingspfad hat die Stadt Willebadessen bereits ein botanisches Kleinod auf den Kalktriften. Nun wird im Kurpark an den Fischteichen ein weiteres Schmetterlingsparadies unter Beteiligung der Bevölkerung geschaffen. Gerne können Imker ihr Wissen einbringen oder ornithologisch Interessierte Nistmöglichkeiten schaffen. Das Schülercafé Willebadessen hat bereits angekündigt sich an der Aussaat der Wildblumen-Blühmischung beteiligen zu wollen.

Insekten sind weltweit die artenreichste Tiergruppe. Alleine in Deutschland sind etwa 33.000 Arten nachgewiesen. Im Vergleich dazu werden weltweit lediglich 6.400 Säugetierarten gezählt. Entsprechend ihrer enormen Anzahl nehmen Insekten eine entscheidende Rolle in unserem Ökosystem ein und stellen ein elementares Glied der Nahrungskette dar. Egal ob Vögel, Säugetiere, Amphibien oder Reptilien, alle größeren Tiergruppen sind zu großen Teilen auf Insekten als Nahrungsgrundlage angewiesen. Zudem bestäuben Insekten weltweit etwa 90 Prozent aller Pflanzenarten und tragen einen wichtigen Beitrag zur Fruchtbarkeit unserer Böden bei. Dadurch spielen sie auch für unsere eigene Ernährung eine grundlegende Rolle.
Im vergangenen Herbst schockierte eine umfangreiche Studie des Entomologischen Vereins Krefeld die Öffentlichkeit. Das Ergebnis: mehr als 75 Prozent der Biomasse fliegender Insekten ist von 1989 bis 2016 bereits verloren gegangen - mit fortlaufender Tendenz. Dieses erschreckende Ergebnis wurde in über 60 Schutzgebieten verteilt über ganz NRW, Rheinland-Pfalz und Brandenburg ermittelt und ist damit repräsentativ für einen Großteil unserer Bundesrepublik. Die daraus entstehenden bzw. bereits entstandenen Konsequenzen können teilweise nur erahnt werden. Doch lässt sich dieser Trend nicht umkehren, wird das dramatische Folgen für unsere Umwelt haben. Weitere Informationen unter www.landschaftsstation.de/aktuelles/nachrichten-2018/insektensterben-es-betrifft-uns-alle

 

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder