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Ausgrabungen auf der Holsterburg gehen zu Ende

LWL-Fachmann schlägt "archäologische Fenster" vor

Warburg (wrs) - Auch nach dem Ende der archäologischen Ausgrabungen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) auf der Holsterburg bei Warburg (Kreis Höxter) sollen Teile der Burg noch zugänglich sein, schlägt LWL-Archäologe Dr. Hans-Werner Peine vor: "Es wäre zum Beispiel denkbar, den Blick durch zwei 'archäologische Fenster' auf einen Innenraum sowie die eindrucksvolle Fassade zu ermöglichen. Der Rest der Burg würde zum Schutz wieder mit Erde bedeckt." Ob die nördlichste achteckige Burganlage Europas auch in Zukunft zu besichtigen sein werde, sei noch offen. Die Stadt Warburg suche derzeit nach Wegen, zumindest Teile der Anlage sichtbar zu machen.



Auch im siebten und letzten Jahr der Ausgrabung wurden die Forscher 2017 fündig. Zu den besonderen Funden zählen der Teil eines Kamms aus Elfenbein, eine Münze, Reste eines Holzbalkens, ein Wurfgeschoss und ein Spielstein. "Die letzte Grabungssaison auf der Holsterburg war erneut ein Erfolg", fasst Peine, Leiter des Fachreferates für Mittelalter- und Neuzeitarchäologie der LWL-Archäologie für Westfalen zusammen. "Wir konnten das Bild vom alltäglichen Leben auf der Burg entscheidend ergänzen."



Die Kampagne konzentrierte sich in diesem Jahr auf die südwestliche und südliche Randbebauung der Anlage. Hier trat im Boden eine komplexe Schichtenabfolge zutage, die wichtige Rückschlüsse auf die Baugeschichte der Holsterburg zulässt. Die LWL-Archäologen machten flächig im gesamten Gebäude eine tiefschwarze Brandschicht aus. "Hierbei handelt es sich um Reste eines Feuers, das wir mit Hilfe der Keramik vom selben Ort in die Zeit um 1170/80 datieren konnten", erklärt Grabungsleiter Kim Wegener. "Die Brandschäden zogen zumindest in diesem Teil der Burg umfangreiche Neubaumaßnahmen nach sich", meint Wegener weiter. 



Die Archäologen gehen davon aus, dass das Feuer die Folge einer militärischen Auseinandersetzung war und in die Frühphase der Holsterburg fällt. Erst 1294 wurde die oktogonale Anlage endgültig zerstört. "Dass diese frühe Nutzungsphase eher begonnen haben könnte als bislang angenommen, war ebenfalls eine wichtige Erkenntnis der diesjährigen Grabungskampagne", so LWL-Archäologe Wegener. Neben einer Münze, die sich leider zeitlich nicht näher einordnen ließ, konnten die Forscher 2017 Reste eines Holzbalkens bergen. Dieser war laut Datierung der Jahresringe um 1131 gefällt worden. Damit dürfte der Bau der Anlage geringfügig früher anzusetzen sein als bislang angenommen.



Überregionale Aufmerksamkeit erlangte das Fragment eines kostbaren einteiligen Doppelkammes aus Elefanten-Elfenbein. Ihn hebt hervor, dass er nachweislich nicht dem sakralen Milieu entstammt, sondern aufgrund seines Fundortes und seiner Motive eindeutig für einen adeligen Käufer gefertigt wurde. "Derartige liturgische Kämme lassen sich selten in kirchlichen Schatzkammern nachweisen. Noch seltener sind aber Elfenbeinkämme mit Bildmotiv im profanen Bereich", erklärt Wegener.



Darüber hinaus wuchs die bisherige Sammlung von Brettspielsteinen um ein weiteres Exemplar auf vier Stücke an. Der Spielstein belegt, wie die Adeligen ihre Freizeit auf der Burg gestalteten. Zudem konnte eine weitere Blidenkugel geborgen werden, die bei der Eroberung der Burg im Jahr 1294 durch ein Städtebündnis unter der Führung von Warburg als mittelalterliches Wurfgeschoss zum Einsatz kam.



Die Auswertung der Funde aus den vergangenen sieben Jahren dauert an. "Dabei stehen vor allem die zeitliche Abfolge der Schadereignisse und die darauffolgenden Ausbesserungs- und Neubaumaßnahmen im Mittelpunkt", so Wegener. Naturwissenschaftliche und bautechnische Untersuchungen werden die Analysen der Archäologen ergänzen. "Ziel ist es, alle Ergebnisse in einer umfangreichen Publikation der interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen", erklärt Peine.

 

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