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Stiftung wird ihr Geld nicht los

Borgentreich (wrs) - In Borgentreich gibt es eine Stiftung, die Gutes tun möchte und ein Problem hat: Sie bringt ihr Geld nicht unters Volk. Es gibt zu wenige Förderanträge. Man schrieb das Jahr 1395, als betuchte Bürger der Stadt Borgentreich die Stiftung „Armenhospital“ ins Leben riefen. Die ehrbaren Stifter wollten damit armen schwachen und bedürftigen Bewohnern helfen und sich mit den guten Taten andererseits ihr eigenes Seelenheil im Jenseits sichern. Aus jener Zeit stammt das heutige Stiftungsvermögen in Form von knapp 10 Hektar Weide, Wald und Ackerland. Eine recht profitable Photovoltaikanlage auf dem Dach der Sekundarschule ist inzwischen dazu gekommen. War der Geldzufluss Jahrzehnte lang eher bescheiden, fließen durch Pachteinnahmen und Stromeinspeisung Jahr für Jahr rund 4.500 Euro auf das Stiftungskonto. Die Hälfte der Einnahmen, so schreibt die Satzung es vor, muss für gemeinnützige Zwecke ausgeschüttet werden. Weil sich um die Armen heute der Staat kümmert, hat sich die Stiftung anderen Zwecken verschrieben und fördert die Senioren- und Jugendarbeit in der Orgelstadt. Mehr als 15.000 Euro hat die Stiftung „Armenhospital“ seit dem Jahr 2002 bereits ausgeschüttet. Bezuschusst wurden zum Beispiel Jugendräume im evangelischen Gemeindehaus, die Skateranlage im Schulzentrum, die Renovierung der Schützenhalle oder neue Instrumente für den Musikverein. Einen Spendenscheck erhielten beispielsweise auch die Bücherei, das Familienforum, Schützenjugend, Jugendfeuerwehr, der VfR, das Seniorenzentrum, die AWO und der Freundschaftsverein Rue. Auch für dieses Jahr steht wieder ein vierstelliger Förderbetrag zur Verfügung. Was in Borgentreich offenbar aber kaum bekannt ist. „Derzeit liegt erst ein einziger Förderantrag vor“, sagt Stiftungsvorsitzender Andreas Geihsen. Dabei wollte der Vorstand eigentlich bei seiner nächsten Sitzung am 20. November über die Verteilung des Ausschüttungsbetrages entscheiden. Anträge auf Bezuschussung stiftungskonformer Projekte können also noch gestellt werden.
Das Armenhospital
Dass die Stiftung ihr Geld kaum unterzubringen wusste, war längst nicht immer so. Ursprünglich diente der Stiftungserlös dem Betrieb des 1395 am Steinweg, nahe dem heutigen Pfarrheim, errichteten Armenhospitals. Bis zu zwölf in Not geratene Menschen fanden dort Zuflucht. Bis das Gebäude 1806 einem Brand zum Opfer fiel. Der Stiftungszweck war damit entfallen – die Stiftung selbst blieb, führte fortan aber ein Schattendasein. Die Stadt Borgentreich verwaltete das Stiftungsvermögen und kümmerte sich um die Verpachtung der Ländereien. Bis im Jahr 2001 der Rat beschloss, der alten Stiftung frisches Leben einzuhauchen. Mit einer zeitgemäßen Satzung wurde ein Vorstand gebildet, der sich aus je einem Vertreter der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde, der im Stadtrat vertretenen Parteien sowie dem Ortsvorsteher zusammensetzt. Um die geschäftliche Verwaltung kümmert sich weiterhin die Kommune. Im städtischen Haushalt schlägt die Stiftung „Armenhospital“ mit ca. 6.000 Euro Verwaltungskosten zu Buche.

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