Drucken Versenden
Zuckerfabrik Warburg

Aufsichtsrat beschließt das Aus

Warburg/Mannheim (js) - Der Aufsichtsrat der Südzucker AG hat am Montag für die Pläne des Vorstandes gestimmt, fünf Werke in Europa zu schließen. Darunter ist auch die Warburger Zuckerfabrik, deren Ende damit für Anfang 2020 besiegelt scheint. Mehrere Hundert Menschen demonstrierten am Vormittag vor der Konzernzentrale, darunter betroffene Landwirte und Mitarbeiter aus Soest, Warburg und dem brandenburgischen Brottewitz. 50 Mitarbeiter der Zentrale der Südzucker AG schlossen sich dem Protest ebenfalls an. Eine Delegation aus Warburg, bestehend unter anderem aus Bürgermeister Michael Stickeln, Wirtschaftsförderer Sören Spönlein und Bio-Landwirt Josef Jacobi, konnte ein kurzes Gespräch mit dem Vorstandsvorsitzenden Dr. Hans-Jörg Gebhard führen, bei dem erneut die Argumente für den Erhalt der Fabrik vorgebracht wurden. Am Abend kam dann die Nachricht, dass der Aufsichtsrat den Vorschlägen des Vorstandes folgt - der Schließung von fünf Fabriken, darunter das Warburger Werk, zwei in Frankreich, eins in Polen. „Wir sind ins Mark getroffen. Die Nachricht ist bitter für die Mitarbeiter, die Landwirte und die gesamte Region“, sagte Bürgermeister Michael Stickeln. Das große Engagement habe gezeigt, wie groß die Bedeutung der Zuckerfabrik für die Region sei. „Warburg kennt man nur mit Zuckerfabrik“, so Stickeln. Er sei sehr verärgert über die Weigerung der Südzucker AG, die Zahlen offenzulegen. „Ich glaube nicht, dass Warburg so unwirtschaftlich ist. Aber es wurde nicht mit offenen Karten gespielt.“ Man habe sich mehr Zeit für Gespräche erhofft, um zu erörtern, welchen Beitrag die Mitarbeiter, die Stadt und die Region leisten könnten. Dies sei abgelehnt worden. „Fatal“, wie der Bürgermeister findet. Wie es weitergeht, konnte er noch nicht sagen.“Wir sind für alles offen. Wir müssen die Entscheidung akzeptieren, nachvollziehen werden wir sie aber nie“, hielt er fest. Man stehe aber „Gewehr bei Fuß“ bei alternativen Nutzungsvorschlägen. „Wir erwarten jetzt von der Südzucker AG einen verantwortungsvollen Umgang mit den Mitarbeitern, Landwirten und der Region und wir erwarten schnelle und angemessene Antworten.“ Der einzig positive Aspekt sei gewesen, wie geschlossen die gesamte Region zusammengestanden habe.

„Die Demo-Teilnehmer waren optimistisch und guter Stimmung“, sagte Wirtschaftsförderer Sören Spönlein. Die Entscheidung für die Schließung sei ein Schock gewesen. Er habe nicht erwartet, dass eine Kehrtwende des Vorstandes stattfinde, mehr Zeit habe man sich aber schon erhofft. Jetzt müsse man die Alternativen prüfen.

Mit zahlreichen Aktionen war versucht worden, die Schließung abzuwenden. Demonstrationen in Hohenwepel, eine Mahnwache auf dem Betriebsgelände und schließlich der Protest am Tag der Aufsichtsratssitzung in Mannheim sorgten für viel Aufmerksamkeit, konnten die Entscheidung aber nicht mehr beeinflussen. Mehrere Tausend Menschen hatten online und auf Listen mit ihrer Unterschrift ihre Unterstützung für die Warburger Zuckerfabrik bekundet. In vielen Geschäften hingen die Plakate für den Erhalte des Werkes.

Die Südzucker AG hat ein Konzept zur Restrukturierung des Segmentes Zucker beschlossen, nachdem die Gewinne eingebrochen waren. Vorgesehen ist eine Einsparung von 700.000 Tonnen Zuckerproduktionsvolumen. Das soll durch die Schließung von fünf Fabriken erreicht werden, zwei in Deutschland, eine in Polen, zwei in Frankreich. Damit sollen 100 bis 200 Millionen Euro eingespart werden.

Diesen Artikel versenden

Absender-E-Mail:*
Empfänger-E-Mail:*
Nachricht:*

* Pflichtfelder